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Die Aufzucht der Welpen
Da ich als Single ganztags berufstätig bin, ist jeder Wurf eine grosse Organisationssache und mein angesammelter Urlaub wird verbraucht. Doch macht es immer wieder Spass, kleine "Würmer" aufzuziehen. Es gibt viele Dinge vorzubereiten, damit die Infrastruktur für den Wurf vorhanden ist. So braucht jede Rasse (bei mir deren zwei) eine spezielle Wurfkiste, für die Deers zusätzlich noch mit Holzstangen ergänzt, damit die Kleinen einen "Schutzraum" zur Verfügung haben. Die ganze Verwandt- und Bekanntschaft wird nach Leintüchern abgeklappert, Desinfektionsmittel, Mutters Küchenwaage, eine starke Taschenlampe, Schreibmaterial, Fotoapparat, Bettflasche, Hundekorb und vieles mehr wird vorbereitet.
Ab ca. 55. Tag wird bei meinen trächtigen Hündinnen 2x täglich die Temperatur gemessen, so kann man feststellen, wann in etwa der Wurf fällig ist. Die Hündin macht aber auch durch Nervosität, ewiges raus wollen und hecheln darauf aufmerksam, dass es nun bald los geht. Nun begibt man sich mit ihr (die anderen Hunde wollen meistens auch mit und ich lasse die Mutterhündin entscheiden, ob sie die anderen Rudelmitglieder im Babyzimmer will) ins vorbereitete Zimmer. Ich hatte bis anhin meistens Glück mit meinen Würfen und musste nur selten den Tierarzt (der natürlich über den bevorstehenden Wurf informiert ist) herbeiziehen. Jeder Welpe wird sofort nach der Geburt gewogen, Fellzeichnungen notiert und bei den Deers bemale ich einzelne Zehennägel kunstvoll mit Nagellack, damit ich später immer weiss, wer wer ist. Nach der Geburt braucht die Hündin erst mal Ruhe und will ihre Kleinen geniessen.
Die ersten 3-4 Wochen ist ja die Mutter der Welpen liebevoll um ihren Nachwuchs bemüht, so dass man als Züchter nicht allzusehr engagiert sein muss (Ausnahme sind hier die Deers, bei welchen ich 6 Wochen neben der Wurfkiste schlief habe um eine Kontrolle zu haben, dass die Mutter keines ihrer Babys verletzt). Neben dem täglichen Wiegen der Kleinen, dem Säubern der Kiste und der genauen Kontrolle der Mutterhündin ist eigentlich nur geniessen der Babys angesagt. Wer versucht als erstes zu stehen, wer ist ein kleiner Schreihals und wer benimmt sich wie eine Dampfwalze in der Kiste? Man könnte Bücher über diese Beobachtungen schreiben. Mit ca. 14 Tagen werden die ersten Äuglein geöffnet und schon bald die Kiste unsicher gemacht. Die Kleinen werden immer kontrolliert und zum 1. Mal entwurmt.
Nach ca. 4 Wochen (ich hatte das Glück, dass meine Hündinnen meistens genug Milch hatten und dieser Zeitpunkt sich nach hinten verschob), wird zum 1. Mal mit Welpenmilch zugefüttert. Je nachdem, wann dies ist, kann man relativ schnell zu eingeweichten Haferflocken und später ein bisschen Leistenfleisch übergehen. Für die Kleinen und die säugende Mutter verwende ich immer nur qualitativ einwandfreies und hochstehendes Futter, bin aber nicht dafür, zuviel Zusätze und Vitaminpräparate oder Kalk hinzuzufüttern.

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Das auf dem Markt erhältliche Puppyfutter erhalten meine Welpen auch nur relativ kurze Zeit, da vor allem die Deers dazu neigen, hochzuschiessen. Nicht vergessen darf man die regelmässige Entwurmung der Kleinen und ihrer Mutter sowie die notwendigen Impfungen.
Nun sind die Kleinen schon sehr aktiv (die Deers auch schon laut) und erkunden die Umgebung. Ich sass einmal im Wohnzimmer, als ein kleines geflecktes Ding herankroch und ich feststellen musste, dass dies ein 4 Wochen alter Whippet war! Es sind übrigens meistens die Hündinnen, welche neugierig als Erste die Umgebung erkunden.Es heisst also, den Raum um die Wurfkiste ausbruchsicher zu gestalten. Ich helfe mir da immer mit Kompostgittern, die sich sehr gut bewährten. Nun kann man schon die einzelnen Charakteren der Kleinen erkennen, auch die Anatomie entwickelt sich und sie sehen langsam aber sicher wie kleine Hunde aus. Ist das Wetter "babygeeignet" kann man sie auch schon minutenweise in den Garten setzen. Erschreckend ist manchmal, wie laut sie losschreien sobald sie das erste Mal draussen sind! Das selbe Geschrei gibt es übrigens auch, wenn sie das Halsband die ersten Male umgelegt bekommen.

Die für mich schönste Zeit ist die, wenn die Kleinen im Garten herumtollen, die Gänseblümchen bestaunen, an Stofffetzen herumzerren, die Geschwister traktieren und versuchen die Fische aus dem Biotop zu locken. Gerne sind auch Besucher willkommen (vor allem wenn sie Schuhbändel haben), denn es ist wichtig, dass die Kleinen schon früh sozialisiert werden. Sobald sie geimpft sind, dürfen auch Gasthunde die Bande besichtigen und man versucht, die ersten Spaziergänge an der Leine. Beim ersten Mal schafft man so ca. 100m in einer Viertelstunde, doch bei jedem Mal kommt man weiter. Auch Autofahren, Besichtigung des Städtchens und der näheren Umgebung sind angesagt. Wenn ich Hundeveranstaltungen besuche, sind die Kleinen dabei um sich an andere Hunde und Menschenmassen zu gewöhnen. Auch sehen sie so zum ersten Mal die Rennbahn und das Häsi.
Leider geht diese schöne Zeit langsam aber sicher dem Ende zu, denn schon bald kommen sie zu ihren neuen Besitzern, die schon mehrere Male zu Besuch waren und die Entwicklung ihres neuen Familienmitgliedes mitbekommen haben. Für mich ist es immer das Schwierigste, wirklich gute Plätze für die Babys zu finden. Denn ein gesunder Hund kann schon bis zu 16 Jahren (bei Deers weniger) bei seinem neuen Herrchen verbringen. Die Personen die zu Besuch kommen, zeigen einem ja meistens "nur" das Sonntagsgesicht und man braucht schon eine gute Menschenkenntnis und ein grosses Bauchgefühl um hier keinen Fehlgriff zu tun. Zum meinem Glück, fand ich aber bis auf ganz wenige Ausnahmen immer super Plätze für die Kleinen und habe bis zum heutigen Tag Kontakt zu den "Avaloniern".
Nachdem die Welpen dann ausgeflogen sind, kann man dazu übergehen, den Garten und das Haus zu renovieren, das Babyzimmer ins Gästezimmer zurück zu verwandeln, die Schlafgewohnheiten dem allgemein Üblichen anzupassen und die Nachbarn mit einer Flasche Wein zu versöhnen.
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